Der nächste Reise-Abschnitt war noch länger. Von Frankfurt bis Dubai waren es nur etwa 6 Stunden, von Dubai bis Auckland waren es noch 19 Stunden, inkl. Zwischenstopp.
Es dauerte sehr lang, bis wieder Wolken kamen, daher hatte man sehr lang eine tolle Aussicht aus dem Flugzeug. Über Wüste und Gebirge bis zu Seen und Meer war alles zu sehen.


Herr der Ringe-Filme-Marathon im Flugzeug
Ich hatte mir schon auf dem vorherigen Flug überlegt, alle drei Herr der Ringe-Filme anzusehen, da ich diese auch in der Datenbank gefunden hatte. Sieht jetzt, vor allem vor den beiden Neuseeländern neben mir, natürlich total klischeehaft aus, aber was soll’s. Ich erstelle mir trotzdem erstmal eine Favoriten-Liste. Eine ziemlich coole Funktion, vor allem auf langen Flügen. Man kann Filme, Serien und Musik einer Favoriten-Liste hinzufügen und muss so nicht nach jedem Film wieder nachsehen, was man sich nochmal noch angucken wollte. Also landeten eine Reihe an Filmen in meiner Liste und ich machte mich an die Klischee-Bestätigung und begann mit dem ersten Herr der Ringe-Film: Die Gefährten.
Währenddessen gab es Mittagessen. Zeitlich passte das zwar von der Dubai-Zeit, von der Australien- oder Neuseeland-Zeit eher nicht. Und nach deutscher Zeit schonmal gar nicht. Aber meine innere Uhr war eh schon so verwirrt, dass sie einfach aussetzte und sich dachte „Mach doch deinen Scheiß alleine!“ – so fühlte ich mich die ganze Zeit ziemlich zeitlos.
Als Vorspeise gab es einen Shrimps-Salat, den ich gleich zurück gab (iih, Fisch!). Hauptspeise-Auswahl 1 war ebenfalls Fisch, sodass ich die Nr. 2 wähle, Beef Stroganoff. Irgendwie komisch: es gibt zwei Auswahlmöglichkeiten, eine mit und eine ohne Fisch. Warum besteht denn dann die Vorspeise aus Fisch, wo man die doch mit der anderen Auswahl ausschließen kann? Naja, wahrscheinlich ist doch eher der Fisch die Alternative zum Rind als andersrum. Zum Beef gibt’s Nudeln und Gemüse, war okay. Das Fleisch war etwas stark gewürzt, aber sonst in Ordnung, die Nudeln waren gut. Besser war aber der Nachtisch, ein Bananen-Küchlein mit Kaffee-Mousse und Schokoladen-Soße. Sehr lecker!


Herr der Ringe in Fetzen
Auch wenn die Sitze eigentlich gemütlich warenund für meine nicht allzu langen Beine auch ausreichend Platz vorhanden, findet man irgendwann dann doch keine Sitzposition mehr, in der es nicht mehr ungemütlich ist oder irgendwas drückt oder der Hintern platt gesessen ist. Ich versuchte, eine halbwegs gemütliche Position zu finden, indem ich den Sitz nach hinten verstellte, etwas runterrutschte, die Füße am Fenster (und fast dem Vordermann am Ohr) ablegte und die noch eingepackte Decke zwischen Sitz und Knöchel steckte. Jap, das ging. Und dann tauchte sie wieder auf: die Müdigkeit. Und es passierte, was mir vorher noch nie passiert war: ich schlief beim Herr der Ringe-Gucken ein. Huch!
Zwar wachte ich zwischendurch hin und wieder mal auf, aber schlief auch meist direkt wieder ein. So verpasste ich die komplette Reise vom Wald nach der Fähre bis Bree, das Eintreten bekam ich wieder mit. Schlief aber noch vor Aragorns Auftauchen wieder ein. Kurz wach, als Merry den Apfel an den Kopf kriegt und verpenne Bruchtal komplett. Wach werde ich natürlich genau zu dem Filmfehler, der mich am meisten stört: als Gimli in den Minen von Moria seinen Kopf gegen Balins Grab plockt, obwohl er in der anderen Einstellung 3m weit weg hockt. Mit kurzen Einnickern komme ich noch zu Haldir, den ich komplett mitbekomme, aber bei Galadriel und Celeborn schlafe ich wieder ein. Das Ende bekomme ich wieder halbwegs mit, zumindest ab da, wo Boromir den Ring haben will. Wobei, bei den Argonath war ich auch kurz wach… egal. Ich mache erstmal eine kurze Pause und schlafe eine Weile, bis ich das wegen der unkomfortablen Position aufgebe, aber immerhin nicht mehr ganz so müde bin. Problemlos schaffe ich es dann durch den zweiten Film, beim dritten gibt’s Frühstück.

Rührei in the Sky
Zum Frühstück gibt es einen kleinen Obstsalat, dazu entweder Rührei oder Omelette. Beim Omelette sind Pilze dabei, also nehme ich das Rührei mit Bratwürstchen und Bratkartoffen. Das war alles ganz in Ordnung, nur die Würstchen waren nicht soo der Hit. Dazu gibt’s noch ein Croissant mit Butter und Marmelade, sowie ein Brötchen (weich und unknusprig) und ein O-Saft-Töpfchen. Achso, zwischendurch hatte es als Nacht-Snack auch noch ein kleines Pizzabaguette gegeben, das war sehr lecker.
Langsam näherten wir uns Melbourne und ich beobachte zwischendurch immer mal die Flugzeugkameras. Außerhalb des Flugzeugs gab es nämlich 3 Kameras, deren Bilder man sich innen auf dem Bildschirm ansehen konnte. Coole Idee.


Kurz darauf landeten wir in Melbourne. Blöd, ich hatte doch noch etwa eine halbe Stunde von der Rückkehr des Königs vor mir. Ich merkte mir einfach die Zeit, bei der ich pausierte. Es gab nochmal ein Erfrischungstuch, dann Ansetzung zur Landung, Kaugummi rein. Bereits das vierte auf dieser Reise, mittlerweile hatte ich gar keine Lust mehr auf den Geschmack und die Konsistenz. Aber es half ja.
Und es folgte ein für mich doch eher sinnlos wirkendes Prozedere, aber da sich das irgendwer überlegt hat, muss es wohl einen Grund geben. Wir mussten aussteigen und alle, die weiter flogen, müssen einmal durch einen Sicherheits-Check (Handgepäck durchleuchten und durch einen Metalldetektor), warten und wieder ins Flugzeug. Ins selbe Flugzeug, aus dem wir gerade ausgestiegen waren, auf den selben Platz, von dem wir gerade aufgestanden waren. Aber egal, vielleicht wurde ja getankt und man darf dabei nicht drinnen sitzen, ich weiß es nicht.
Kein Deutsch in Australia
Während alle Leute um eine Treppe herumsaßen, die nach unten zum Flugzeug führte, und aufs Boarding warteten, beobachtete ich die Menschen. Es gibt zwei Warte-Bereiche: Der an der Treppe ist mit einem Gurt abgesperrt. Damit man später geordneter boarden kann, sitzen dort die Menschen aus den Sitzbereichen A, B und C.
Ein Mitarbeiter steht am Durchgang und schickt alle anderen Leute weg, bzw schickt sie auf die Stühle, die 3m vor der Absperrung stehen. Als der Mitarbeiter kurz weggeht, kommen einige der Menschen zurück, die vorher zurückgewiesen wurden, und gingen einfach rein, zwängten sich durch die enge Lücke, die der Mitarbeiter mit dem Absperr-System noch gelassen hatte. Das passierte häufiger.
Bis heute im Gedächtnis geblieben ist mir eine: als wieder aufgepasst wurde, kam eine etwas dickliche Frau mittleren Alters in bunter Hawaii-Bluse und blond gefärbter Fönwelle. Sie wollte vom Flughafenpersonal wissen, warum sie hier warten müsse und nicht in den abgesperrten Bereich dürfe, sie hätte schließlich viel Geld für den Flug bezahlt. Der Flughafenmann starrte die Frau einfach nur an. Und überhaupt, zeterte sie weiter, was sei das denn hier überhaupt für ein hinterweltlicher Flughafen, dass hier niemand Deutsch spräche und ihr weiterhelfen könne. Denn – ja – die Frau schimpfte auf Deutsch. Manchmal fragt man sich wirklich, was da schief gelaufen ist.
Boarding-Panik
Als es ans Boarden ging, war der Mitarbeiter wieder weg. Die Reisenden der Sitzbereiche A, B und C wurden aufgerufen und gingen zur Rolltreppe, wo dies nochmal überprüft wurde. Daraufhin stürmten unabhängig voneinander bestimmt 20 Leute auf den abgesperrten Bereich zu, zwängten sich durch die Lücke, duckten sich unter dem Absperrgurt drunter durch und eilten zur Schlange, die sich an der Rolltreppe gebildet hatte. Als würde das Flugzeug ohne sie fliegen… Gut, dass sie gerannt waren, nun standen nur noch etwa 50 Leute vor ihnen in der Schlange… Und als sie endlich am Beginn der Schlange angekommen waren, mussten sie doch zur Seite gehen und durften nicht nach unten fahren. Na, das hat sich ja gelohnt.
Irgendwann durften wir dann alle ins Flugzeug. Cool: der Film war immer noch an der Stelle im Pause-Modus, an dem ich ihn gestoppt hatte. Ich konnte also einfach weiter gucken. Und auch meine Favoriten-Liste war noch da.
Es war immer noch viel Zeit bis zur Ankunft in Auckland. Irgendwie hatte ich immer gedacht, Australien und Neuseeland lägen näher beieinander.
Ich entschied mich nochmal für ein bisschen Kinderstunde und sah mir die Monster AG an. Währenddessen gab es erneut Frühstück. Erneut nehme ich das Rührei – erneut wegen der Pilze beim Omelette. Dazu Spinat und Geflügelwürstchen und eine gegrillte halbe Tomate. Die Würstchen schmecken komisch, das Gemüse gar nicht. Gut, dass ich dazu 2 Croissants genommen hatte.
Ein Streifen am Horizont
Noch ein bisschen How I met your mother, dann wir näherten uns sichtbar unserem Ziel. Neuseeland war zu sehen. Wow. Neuseeland. Das Land, wo ich seit so vielen Jahren hin wollte. Und jetzt würde ich es endlich besuchen. Es war so weit. Ein ganz surreales Gefühl. Und gleichzeitig hatte ich Angst, dass ich wegen dieser ganzen Vorfreude solch hohe Erwartungen an das Land haben würde, dass es mir am Ende gar nicht gefällt. So viel verrate ich schon mal im Voraus: es hat die Erwartungen noch weit übertroffen.
Am Horizont tauchte ein Streifen auf. Bald erkannte man richtiges Festland, bald flogen wir über den Zipfel der Nordinsel hinweg. Gut, dass ich rechts im Flugzeug saß, denn hier sah man mehr als links. Und ich war nicht die einzige, die sich die Nase an den Flugzeugscheiben platt drückte.



Fast alle Menschen im Flugzeug fingen an, aus dem Fenster raus zu fotografieren. Viele Leute der linken Flugzeugseite standen auf und beugten sich rüber nach rechts, um raus fotografieren zu können. Wahrscheinlich gab’s kurzzeitig Schieflage 😉 Einzig das Ehepaar, das neben mir saß, knipste nicht. Als Neuseeländer war das alles wohl nichts Neues oder nichts Besonderes für sie. Wahrscheinlich haben sie haben sie sich gedacht, dass hier lauter bekloppte Touristen im Flugzeug saßen. Ich musste ein wenig grinsen, bei dem Gedanken daran, was die zwei wohl dachten.
Keine Lande-Erlaubnis
Der Pilot setzte mittlerweile zur Landung an, doch kurz vorher zog er das Flugzeug wieder nach oben. Es gab keine Lande-Erlaubnis, da eine andere Maschine blöd geparkt hatte. Und da unsere so groß war, hätten wir die andere mit dem Flügel gerammt. Das freute den Piloten, er erzählte, wie toll es doch sei, jetzt nochmal eine Runde über Neuseeland drehen zu dürfen. So könne man sich noch vieles ansehen und es wäre doch ein so schönes Land. Er war ganz begeistert von unserer Extra-Runde.
Und schließlich landeten wir. Raus aus dem Flugzeug und auf zum Kofferlaufband. Auf dem Weg dorthin wurde man direkt von einem Tor aus Maori-Schnitzkunst begrüßt. Und nachdem der Koffer eingesammelt war und man in den öffentlichen Flughafenbereich kam, wurde man von einer riesigen Zwergen-Statue willkommen geheißen. Diese war über 4m hoch und wohl gerade einem Hobbit-Film entsprungen.
Später fiel uns auf, dass die Neuseeländer scheinbar generell sehr stolz darauf sind, dass die Herr der Ringe-/Hobbit-Filme in ihrem Land gedreht wurden. An vielen Stellen fand man etwas, das sich darauf bezog oder auf die Oscar-prämierten Requisiten- und Special Effects-Firma WETA. Ich stöberte noch ein wenig durch die Geschäfte und kaufte mir zwei kleine Ringbücher im Neuseeland-Style. Eins davon fürs Reisetagebuch.



Check-in im Hotel
Dann fuhr ich mit dem Shuttle, das mich zum Hotel für die erste Nacht brachte. Das Kiwi International Hotel. Es war zweigeteilt: ein Hotel, ein Motel. Wir waren im Motel-Bereich untergebracht. Ein Wohnzimmer mit Bett, ein kleines Schlafzimmer, ein Badezimmer. Das Bett war irgendwie fleckig, drum bat ich um einen neuen Bettbezug. Stattdessen gab es direkt ein neues Apartment. Das war sehr schön und ich versuchte mich zu akklimatisieren. Und mich daran zu gewöhnen, dass ich nun in Neuseeland war. Neuseeland! Neuseeeeelaaaaannnnd!!!! Klappte nicht. Immer noch surreal.


Mitten in der Nacht kamen Alex und Katharina an. Ich war mit dem Shuttle zurück zum Flughafen gefahren und hatte es für einen späteren Zeitpunkt wieder bestellt. Ich wartete am Ausgang. Der Flughafen ist so klein, dass es nur einen Ausgang aus dem Ankunfts-Bereich in den öffentlichen Bereich gibt. Also keine Möglichkeit, die beiden zu verpassen.
Ich nutzte die Wartezeit, um in meinem neuen Büchlein mit dem Tagebuch zu beginnen. Das war der erste und leider auch der letzte Eintrag. Anschließend kam ich einfach nicht mehr dazu, weil ich mehr damit beschäftigt war, im Urlaub zu sein.
Schließlich kamen Alex und Katharina aus dem Ausgang, kurze Begrüßung und direkt weiter zum Shuttle und zum Hotel. Die beiden waren auch zufrieden mit unserer kleinen Mini-Wohnung. Wir machten noch eine Uhrzeit mit dem Rezeptionisten aus, wann wir am nächsten Tag ein Shuttle in die Stadt brauchten (da das Hotel eher in Flughafennähe lag) und dann lagen wir auch schon im Bett. Jetlag? Nö.